• barsoap ( barsoap@lemm.ee ) 
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    3 years ago

    Autsch ist das lang geworden, viel zu viel Kontext. Bei Bedarf einfach bis zum 2. Trenner überspringen.


    Ein Sternchen symbolisiert den Platzhalter für alle Geschlechter und ageschlechtlichen Menschen.

    Früher waren Männer berufstätig, Frauen nicht, und die Frau des Bäckers war die Bäckerin. Im Westen hat es sich dann eingebürgert weibliche Bäcker Bäckerinnen zu nennen wodurch die eigentliche generische Bedeutung von “Bäcker” aufgeweicht wurde, im Osten hingegen hat sich für weibliche Bäcker Bäcker eingebürgert.

    Hätten wir das wie im Osten gemacht gäbe es die Diskussion aus der Richtung schlicht und einfach nicht.

    Und auch im Englischen läuft das so: Theresa May war Prime Minister, nicht Prime Ministress, und die Briten würden dir einen Husten wenn du damit anfängst.

    Es ist etwas unglücklich dass es viele Begriffe gibt die das generische Maskulinum benutzen, ja – das Ungleichgewicht kommt durch die ganzen <verb>-er Wörter, und -er bedeutet nun mal männlich. Das ist Phonetik und hat aus der Sicht der Sprache keinen Bezug zum eigentlichen Geschlecht. Personen können schließlich auch männlich sein, und Menschen weiblich… auch die Gewohnheit Nominalklassen als “Geschlecht” zu bezeichnen ist unglücklich, erstmal ist Neutrum kein Geschlecht, der Begriff hat sich eingebürgert weil die Linguistik sich im Indoeuropäischen Sprachraum entwickelt hat (die Inder waren übrigens die ersten, mit ner Grammatik für Sanskrit), als dann mehr Sprachen dazu kamen wurden daraus Nominalklassen und das Indoeuropäische System nur ein Beispiel dafür. Auf Türkisch kannst du Jahre über einen Menschen sprechen ohne einmal das Geschlecht zu implizieren – aber in (so gut wie) keiner Indogermanischen Sprache: Türkisch hat keine Nominalklassen. Swahili hat 15, und keine hat was mit Geschlecht zu tun.

    Aber auch wenn wir jetzt alle generisch Bäcker nennen würden oder alle generisch Bäckin (bitte nicht Bäckerin weil abgeleitete Form mit dediziert weiblichem sexus) und/oder ganz viel Sternchen benutzen hätten wir das Problem dass wir keine neutralen Personalpronomen haben. Die Angelsachsen haben das mit “they” gelöst, funktioniert im Englischen auch prima, hat es schon länger gegeben, wird jetzt halt nur öfter benutzt. Als Bezeichnung für nicht-Binäre Personen gibt’s natürlich Ablehnung von den üblichen Verdächtigen, die dann aber selbst doch “they” für Menschen unbestimmten Geschlechts benutzen. Aus Spanischer Richtung hab’ ich gehört dass man einfach -e nehmen kann und das passt dann schon, das schleift sich ein.

    So einfach geht’s im deutschen nicht mit den ganzen Fällen und Gedöns. Also im Standarddeutschen meine ich, bei Plattdeutsch zeichnet sich eine Änderung der Nominalklassen von männlich/weiblich/sächlich zu animiert/unanimiert ab: Die Artikel sind eh schon größtenteils zusammengefallen und jüngere Sprecher wissen nicht was auf Platt männlich und weiblich ist, unterscheidet sich nämlich vom Standarddeutschen. Aber das ist Nebensache:

    Da es keinen Punkt gibt aus dem sich geschlechterneutrale Sprache natürlich entwickeln könnte muss man also was erfinden – etwas, dass sich natürlich in die Sprache einfügt denn sonst wird es sich nie verbreiten. Artikel, Pronomen, und nicht nur Substantive denn die reichen nicht für mehr als Briefköpfe.


    Oder, um jetzt mal absichtlich kantig zu sein: Wer für’s Gendersternchen ist dafür nicht-Binären Menschen binare Pronomen aufzudrängen. Weil das Sternchen die Problematik eben nicht löst, trotzdem aber politisches Kapital ohne Ende verbraucht. Oder sagen wir dann “Der/die (m/w/d) Schüler*innen”? Dann doch echt lieber “De Schülere” wie das vom Inklusivum-Projekt vorgeschlagen wird. Die Form finde ich etwas ungeschickt (hätte “De Schüle” genommen) aber das ist egal. Wirklich egal, denn “De Schülere” ist in einer Form die sich einschleifen kann. Das ist klammer em we de nicht.

    Und wenn die ganzen Leute die den Sterchenmurks tapfer verteidigen, Murks der sich aus linguistischen Gründen nie durchsetzen wird, jetzt anfangen würden mal ein nicht-Murks Projekt zu unterstützen dann würde sich tatsächlich mal was bewegen.

    häufig ungesehenen Minderheit

    Daran ändert das Sternchen auch nichts. Ob Schrägstrich, Unterstrich oder Sternchen das wird von Leuten die sich einen Scheißdreck interessieren genau gleich interpretiert. Aber, mal wieder Blick auf’s Englische: Leute die “they/them” als Pronomen führen? Das ist sichtbar. Mit der Sternchenlösung unmöglich.